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Hintergrund

Menschen verbringen auch unter globalisierten Lebensbedingungen ihr Alltagsleben verkörpert und körperlich in einem konkreten lokalen Kontext. Leiblichkeit als existentielle Daseinsform der belebten Natur sowie Räumlichkeit als Erfahrungsformen und Handlungsbedingungen sind so wechselseitig aufeinander bezogen.

In der Stärkung von Partizipationspotenzialen von Bürgern/innen liegen Chancen für neue innovative Aneignungsprozesse von Information und politischer Gestaltung im Sinne von Zuwendung zum und Sorge um den eigenen gesellschaftlichen Raum, in der Wahrnehmung anderer fremder Kulturen sowie in der Verfügung über lebensnotwendige Güter. Aus dieser Perspektive heraus ist für mich das Aufspüren "diskursiver Elemente" im Spannungsfeld von umweltwissenschaftlichen und sozio-ökonomischen Prozessen auf der Ebene der Region eine zentrale Herausforderung.


Gestalt

"Die Verwurzelung ist vielleicht das wichtigste und meistverkannteste Bedürfnis der menschlichen Seele."
(Simone Weil, 1943)

Die gesellschaftliche Vielfalt stellt nicht unbedingt das Problem einer "neuen Unübersichtlichkeit" dar. Vielmehr wird gerade in dieser Situation die Komplexität der Ansprüche und Forderungen von Bürgern/ innen und Institutionen offensichtlich, mit der gewachsenen Vielfalt umzugehen und neue Wege zu beschreiten.

Die Frage nach dem jeweils eigenen Ort des Engagements für Menschen, den Entfaltungsmöglichkeiten ihrer politischen Freiheit und ihrer Lebensperspektiven, aber auch die Form der individuellen Mitwirkung berührt den eigenen Wertewandel und die Demokratieakzeptanz aus ganz unterschiedlichen Perspektiven der Wahrnehmung von dem eigenen Ort und der eigenen Region als:

  • Kultur- und Wissensort
  • Arbeits- und Wirtschaftsort
  • politischer Gestaltungsort
  • Umweltort


Dynamik

"Objektivität und Subjektivität sind gleichermaßen wesentliche Momente des Erkenntnisprozesses."
(Elisabeth List, Die Präsenz des Anderen, 1993)

Politik in einer pluralen demokratischen Gesellschaft ist nicht nur rational sondern auch emotional. Die Suche nach Konfliktlösungen ist begleitet von Leidenschaften, Zuhören-Können, Gerechtigkeit, Interessen, Vertrauen, Identitäten, Streit, usw.

Die Umsetzung des Nachhaltigkeitsparadigmas als kreativer Gestaltungsprozess setzt die gleichberechtigte Chance zur Beteiligung und Bildung aller Bürger/innen voraus.

Ökonomische, ökologische und soziale Konflikte auf lokaler Ebene können dabei als strategische Dimensionen innerhalb einer Gemeinwesenentwicklung begriffen werden. Veränderungsprozesse können ihren Ausgangspunkt in der Frage haben, wie Kommunen ihre eigenen Ressourcen in vorsorglicher Weise nutzen und "verwalten" können. Dies berührt:

  • Den Schutz der Ressourcen und die Stabilisierung der Biodiversität
  • Die Information und die Beteiligung der Bürger/innen in regionalen Prozessen
  • Die Verbesserung der Qualität der Umwelt und der Versorgungsdienstleistung in Verbindung mit strukturellen Transformationsprozessen


Beziehung

"In der dialogischen, durch symbolischen Ausdruck vermittelten Struktur führt die Identifizierung nicht zu einem Ineinsfallen der Unterscheidungen, sondern wird zu einer Basis für das Verstehen der Position der Anderen."
(Jessica Benjamin, Der Schatten des Anderen, Intersubjektivität, Gender, Psychoanalyse, 2002)

Auf europäischer Ebene stellt sich für die einzelnen Länder und ihre Regionen die Aufgabe, ihre Rolle im Rahmen der EU-Vereinbarungen zur Umsetzung des Paradigmas der Nachhaltigen Entwicklung sowie ihre jeweilige Umwelt-, Sozial- und Wirtschaftspolitik neu zu definieren.

Es gilt, sowohl neuen entbürokratisierten und kooperativen Politik- und Planungsstrategien mehr Raum und Flexibilität zu geben als auch ökologische und soziale regionale Identitäten zu bewahren und zu stärken.

Dies ist von entscheidender Bedeutung für die Stärkung zivilgesellschaftlicher Politikbereitschaft und die Sicherung der natürlichen Ressourcen. Region als "Syntheseebene" bedeutet in diesem Sinne die Anerkennung:

  • regionaler ökologischer Nachhaltigkeit
  • regionaler sozialer und kultureller Nachhaltigkeit
  • der Umsetzung von ökonomischer Nachhaltigkeit